Vapen & Asthma: Das zeigen Studien

Viele Raucherinnen und Raucher, die an Asthma leiden, suchen händeringend nach schadstoffärmeren Alternativen zur klassischen Tabakzigarette. Doch wie verträgt sich das Dampfen eigentlich mit einer Lunge, die ohnehin schon empfindlich auf äußere Reize reagiert? In diesem Artikel ordnen wir die Studienlage ein zum Thema E-Zigaretten und Atemwegserkrankungen und erklären, worauf du beim Vapen und Asthma besonders achten solltest.

Mann sitzt am Tisch und beugt sich nach vorne während er hustet, um nach seinem Asthma-Inhalator zu greifen
Vapen und Asthma? Kontraproduktiv oder eine Verbesserung für die Lunge? Bild KI generiert.

Inhalt:

Was passiert bei Asthma in der Lunge?

Trifft ein Reiz (Trigger) auf die empfindliche Schleimhaut der Bronchien führt dies zu einem Asthmaanfall. Dabei schwillt die Schleimhaut schlagartig an und bildet zähen Schleim. Außerdem verkrampft die feine Muskulatur rund um die Atemwege (Bronchospasmus) und verengt die Bronchien. Dadurch wird der Luftaustausch der Lunge erschwert, gerade die Ausatmung wird stark gehemmt.

Dies zeigt sich klinisch im spirometrischen Test in einer Erniedrigung der Einsekundenkapazität (FEV1) und der forcierten Vitalkapazität (FVC) der Lunge.

Vapen vs. Rauchen bei Asthma

Beim Verbrennen von Tabak entstehen tausende Verbindungen, darunter Teer und Kohlenmonoxid. Rauchen führt der Lunge diese schädliche Stoffe zu. Diese Stoffe schädigen die empfindlichen Flimmerhärchen der Bronchien und führen zu einer chronischen Entzündung. (Quelle)

Beim Dampfen beziehungsweise Vapen findet hingegen keine Verbrennung statt. Das Liquid wird nur erhitzt und verdampft, nicht verbrannt. Es entsteht kein Teer und kein Kohlenmonoxid.
Viele Reizstoffe gibt es beim Dampfen im Gegensatz zum Rauchen nicht.

Die aktuelle Studienlage 2026

Als Erklärung: Prof. Dr. Riccardo Polosa von der Universität Catania ist ein weltweit führender Experte für E-Zigaretten und deren Auswirkung auf  die Lunge. Der italienische Internist und Notfallmediziner hat sich auf respiratorische Erkrankungen spezialisiert, besonders auf Asthma und COPD. Er arbeitet unter anderem als Gutachter für die italienische Regierung und ist an einigen EU-Forschungsprojekten beteiligt. Sein Interesse wurde geweckt, als er feststellte, dass starke Raucher mit Lungenproblemen nach dem Umstieg auf E-Zigaretten weniger Lungenprobleme aufwiesen. In mehreren wegweisenden Langzeitstudien hat er untersucht, welche Auswirkungen der Wechsel von Tabakzigaretten zu E-Zigaretten bei Asthmatikern hat:

  1. Deutliche Verbesserung der Lungenfunktion: In seinen Studien zeigte sich, dass Asthmatiker, die vollständig oder größtenteils auf E-Zigaretten umstiegen, nachweislich bessere Lungenfunktionswerte wie FEV1 (Einsekundenkapazität) und FVC (Forcierte Vitalkapazität) erzielten. (Quelle)
  2. Weniger Symptome im Alltag: Die Teilnehmer berichteten über einen spürbaren Rückgang von Asthmaanfällen und Atemnot im Alltag. (Quelle)
  3. Reduzierter Medikamentenbedarf: Viele Patienten konnten die notwendige Dosis an Cortison-Inhalationen reduzieren. (Quelle)
  4. Langzeitnutzen: Eine mehrjährige Nachbeobachtungsstudie bestätigte, dass diese positiven Effekte über Jahre hinweg stabil bleiben, solange kein Rückfall zur Tabakzigarette erfolgt. (Quelle)

Dampfen ist zwar kein Ersatz für frische Luft, aber im Sinne der Harm Reduction (Schadensminimierung) stellt es als Umstieg vom Rauchen auf das Vapen eine enorme Entlastung für das Bronchialsystem und die Lunge dar.

Mögliche Trigger beim Dampfen: Worauf solltest Du achten?

Jede Asthma-Lunge reagiert sehr unterschiedlich auf Reize. Damit du beim Dampfen ein rundum angenehmes Erlebnis hast, solltest du folgende Punkte beachten:

  1. Das richtige PG/VG-Verhältnis: Propylenglykol (PG) bindet Feuchtigkeit und sorgt für den gewohnten „Throat Hit“ (Druckgefühl im Hals). Bei sehr empfindlicher Lunge kann zu viel PG als leicht austrocknend empfunden werden. Ein E-Liquid mit einem höheren Anteil an Pflanzlichem Glyzerin (VG) erzeugt einen weicheren, sanfteren Dampf.
  2. Höchste Qualitätsstandards: Achte auf E-Liquids, die nach strengen europäischen Richtlinien und aus Reinstoffen in Arzneibuchqualität hergestellt werden. Unklare oder minderwertige Mischungen haben in sensiblen Lungen nichts zu suchen.
  3. Leistung & Temperatur anpassen: Zu heißer Dampf oder extrem große Dampfwolken können die Atemwege physikalisch reizen. Moderates Dampfen im MTL-Bereich (Mund-zu-Lunge) ist oft wesentlich bekömmlicher. Eine Ohmzahl von 0,8 Ohm oder grösser ist optimal.

Fazit

Wer an Asthma leidet und Tabak raucht, für den ist der vollständige Rauchstopp aus medizinischer Sicht der wirksamste Schritt. Schaffst du diesen Schritt nicht, bietet die E-Zigarette laut aktueller Studienlage eine deutlich schadstoffärmere Alternative, die die Lunge spürbar entlasten kann.

Wichtig: Achte immer auf die Signale deines Körpers, wähle hochwertige E-Liquids und passe das Setup an deine Bedürfnisse an. Außerdem: Passe niemals die Asthma Medikation eigenmächtig an, sondern sprich alle gesundheitlichen Veränderungen (auch den Umstieg auf E-Zigarette) immer mit deinem behandelnden Lungenfacharzt oder Allergologen ab.

Häufig gestellte Fragen zu Vapen und Asthma

Was ist Asthma?

Asthma bronchiale ist eine chronische, entzündliche Erkrankung der Atemwege. Bei Menschen mit Asthma reagieren die Bronchien überempfindlich auf bestimmte Auslöser. Es kommt zu plötzlicher, anfallartiger Atemnot (Exzabertionen), einem Engegefühl in der Brust, Pfeifen beim Ausatmen (Giemen) und Husten. Asthma bronchiale gehört zu den obstruktiven Lungenerkrankungen.

Man unterscheidet bei Asthma hauptsächlich drei Formen:

1. Allergisches (extrinsisches) Asthma: Das Immunsystem reagiert auf eigentlich harmlose Umweltstoffe wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare. Auch Aromen(-bestandteile) können ein Auslöser sein.
2. Nicht-allergisches (intrinsisches) Asthma: Diese Form tritt meist erst im Erwachsenenalter bzw. Ab der Pubertät  auf. Auslöser sind Atemwegsinfekte, Kälte, körperliche Belastung, sowie chemische oder physikalische Reize – wozu insbesondere Tabakrauch gehört. Hier reicht auch Passivrauch.
3. Mischformen: Viele betroffene Erwachsene leiden unter einer Kombination aus allergischen Triggerfaktoren und unspezifischen Reizen.

Die auslösenden Reize werden als Trigger bezeichnet und können sehr vielfältig sein: Tabakrauch, kalte Luft, Ozon, Lebensmittel, körperliche Anstrengung, Insektenstiche, Schmerzmittel (der NSAID-Klasse z.B.: Aspirin) oder klassische Allergene: Pollen und Hausstaubmilben.

Kann das Dampfen einen Asthmaanfall auslösen?

Bei extrem empfindlichen Atemwegen kann jeder physikalische Reiz – auch kalte Winterluft oder dichter Wasserdampf – kurzfristigen Hustenreiz auslösen. Anders als beim Rauchen enthalten E-Zigaretten keine Verbrennungsstoffe wie Teer oder Kohlenmonoxid, die typischerweise schwere entzündliche Asthmaanfälle auslösen.

Welches E-Liquid ist bei empfindlicher Lunge am besten?

Empfehlenswert sind Liquids mit höherem VG-Anteil (z.B. 70% VG / 30% PG) sowie sanfte, natürliche Aromen. Vermeide übermäßig scharfe oder stark reizende Geschmackssorten. Ausserdem solltest du die Allergenhinweise des Liquids beachten. Bei bestehenden Atemwegserkrankungen empfiehlt sich vorab ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt.

Ist nikotinfreies Dampfen für Asthmatiker besser?

Nikotin wirkt leicht gefäßverengend und kann einen leichten Reiz auf die Atemwege ausüben. Nikotinfreie Liquids sind daher noch sanfter zur Lunge. Für den erfolgreichen Umstieg vom Rauchen zum Vapen solltest du die Nikotinstärke jedoch schrittweise statt abrupt reduzieren.

Was sollte ein Asthmatiker beim Umstieg auf das Vapen beachten?

1. Rücksprache mit dem behandelnden Arzt
2. Allergenhinweis des Liquids überprüfen
3. Im Fachgeschäft beraten lassen

Quellen:

Die detaillierten Ergebnisse kannst man direkt in den Publikationen nachlesen:

  1. Smoking and asthma: dangerous liaisons
  2. E-cigarettes are less harmful than smoking
  3. E-cigarettes unlikely to raise significant health concerns in airways disease
  4. Persisting long term benefits of smoking abstinence and reduction in asthmatic smokers who have switched to electronic cigarettes
  5. Effect of Smoking Abstinence and Reduction in Asthmatic Smokers Switching to Electronic Cigarettes: Evidence for Harm Reversal

Bildnachweis: pixabay.de Mohamed_hassan