Vapen & Asthma: Was du über den Umstieg und die Atemwege wissen musst

Viele Raucherinnen und Raucher, die an Asthma leiden, suchen händeringend nach schadstoffärmeren Alternativen zur klassischen Tabakzigarette. Doch wie verträgt sich das Dampfen eigentlich mit einer Lunge, die ohnehin schon empfindlich auf äußere Reize reagiert? In diesem Artikel erklären wir, wie Asthma entsteht, was die medizinische Forschung rund um E-Zigaretten und Atemwegserkrankungen sagt und worauf man beim Dampfen besonders achten sollte.

Mann mit Asthmaanfall vor inhalator
Vapen und Asthma? Kontraproduktiv oder eine Verbesserung für die Lunge?

Inhalt:

Was ist Asthma?

Asthma bronchiale ist eine chronische, entzündliche Erkrankung der Atemwege. Bei Menschen mit Asthma reagieren die Bronchien überempfindlich auf bestimmte Auslöser. Es kommt zu plötzlicher, anfallartiger Atemnot (Exzabertionen), einem Engegefühl in der Brust, Pfeifen beim Ausatmen (Giemen) und Husten. Asthma bronchiale gehört zu den obstruktiven Lungenerkrankungen.

Man unterscheidet bei Asthma hauptsächlich drei Formen:

  1. Allergisches (extrinsisches) Asthma: Das Immunsystem reagiert auf eigentlich harmlose Umweltstoffe wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare. Auch Aromen(-bestandteile) können ein Auslöser sein.
  2. Nicht-allergisches (intrinsisches) Asthma: Diese Form tritt meist erst im Erwachsenenalter bzw. Ab der Pubertät  auf. Auslöser sind Atemwegsinfekte, Kälte, körperliche Belastung, sowie chemische oder physikalische Reize – wozu insbesondere Tabakrauch gehört. Hier reicht auch Passivrauch.
  3. Mischformen: Viele betroffene Erwachsene leiden unter einer Kombination aus allergischen Triggerfaktoren und unspezifischen Reizen.
Die auslösenden Reize werden als Trigger bezeichnet und können sehr vielfältig sein: Tabakrauch, kalte Luft, Ozon, Lebensmittel, körperliche Anstrengung, Insektenstiche, Schmerzmittel (der NSAID-Klasse z.B.: Aspirin) oder klassische Allergene: Pollen und Hausstaubmilben.

Was passiert bei Asthma in der Lunge?

Trifft ein Reiz (Trigger) auf die empfindliche Schleimhaut der Bronchien führt dies zu einem Asthmaanfall: dabei , schwillt die Schleimhaut schlagartig an und bildet zähen Schleim. Ausserdem verkrampft die feine Muskulatur rund um die Atemwege (Bronchospasmus) und verengt die Bronchien. Dadurch wird der Luftaustausch der Lunge erschwert, gerade die Ausatmung wird stark gehemmt.
Dies zeigt sich klinisch im spirometrischen Test in einer Erniedrigung der Einsekundenkapazität (FEV1) und der forcierten Vitalkapazität (FVC) der Lunge.

Vapen vs. Rauchen bei Asthma

Beim Rauchen entstehen tausende verschiedene Verbrennungsprodukte. Rauchen führt der Lunge dauernd schädliche Stoffe (Teer, Kohlenmonoxid, Verbrennungsprodukte) zu. Diese Stoffe schädigen die empfindlichen Flimmerhärchen der Bronchien und führen zu einer chronischen Entzündung.
Beim Dampfen oder Vapen findet hingegen keine Verbrennung statt. Das Liquid wird nur erhitzt und verdampft, nicht verbrannt. Es entsteht kein Teer und kein Kohlenmonoxid.
Viele Reizstoffe gibt es beim Dampfen im Gegensatz zum Rauchen nicht.

Die aktuelle Studienlage 2026

Als Erklärung: Prof. Dr. Riccardo Polosa von der Universität Catania ist ein weltweit führender Experte auf dem Gebiet E-Zigaretten und die Auswirkung auf  die Lunge. Er ist ein italienischer Internist und Notfallmediziner, der sich auf respiratorische Erkrankungen (Spezialgebiet Asthma und COPD) spezialisiert hat. Er ist u.a. als Gutachter für die italienische Regierung tätig und wirkt bei einigen EU-Forschungsprojekten mit. Sein Interesse wurde geweckt, als er gemerkt hat, wie starke Raucher mit Lungenproblemen nach dem Umstieg auf E-Zigaretten weniger Lungenprobleme aufwiesen.  Er hat in mehreren wegweisenden Langzeitstudien untersucht, wie sich der Wechsel von Tabakzigaretten auf E-Zigaretten bei Asthmatikern auswirkt:

  1. Deutliche Verbesserung der Lungenfunktion: In seinen Studien zeigte sich, dass Asthmatiker, die vollständig oder größtenteils auf E-Zigaretten umstiegen, nachweislich bessere Lungenfunktionswerte (wie FEV1 (Einsekundenkapazität) und FVC (Forcierte Vitalkapazität)) erzielten.
  2. Weniger Symptome im Alltag: Die Teilnehmer berichteten über einen spürbaren Rückgang von Asthmaanfällen und Atemnot im Alltag.
  3. Reduzierter Medikamentenbedarf: Viele Patienten konnten in Absprache mit ihren Ärzten die tägliche Dosis an Cortison-Inhalationen reduzieren.
  4. Langzeitnutzen: Eine mehrjährige Nachbeobachtungsstudie bestätigte, dass diese positiven Effekte über Jahre hinweg stabil bleiben, solange kein Rückfall zur Tabakzigarette erfolgt.

Dampfen ist zwar kein Ersatz für frische Luft, aber Dampfen stellt im Sinne der Harm Reduction (Schadensminimierung) als Umstieg vom Rauchen auf das Vapen eine enorme Entlastung für das Bronchialsystem und die Lunge dar.

Mögliche Trigger beim Dampfen: Worauf sollte man achten?

Jede Asthma-Lunge reagiert sehr unterschiedlich auf Reize. Damit man beim Dampfen ein rundum angenehmes Erlebnis has, solltest man folgende Punkte beachten:

  1. Das richtige PG/VG-Verhältnis: Propylenglykol (PG) bindet Feuchtigkeit und sorgt für den gewohnten „Throat Hit“ (Druckgefühl im Hals). Bei sehr empfindlicher Lunge kann zu viel PG als leicht austrocknend empfunden werden. Ein E-Liquid mit einem höheren Anteil an Pflanzlichem Glyzerin (VG) erzeugt einen weicheren, sanfteren Dampf.
  2. Höchste Qualitätsstandards: Achte auf E-Liquids, die nach strengen europäischen Richtlinien und aus Reinstoffen in Arzneibuchqualität hergestellt werden. Unklare oder minderwertige Mischungen haben in sensiblen Lungen nichts zu suchen.
  3. Leistung & Temperatur anpassen: Zu heißer Dampf oder extrem große Dampfwolken können die Atemwege physikalisch reizen. Moderates Dampfen im MTL-Bereich (Mund-zu-Lunge) ist oft wesentlich bekömmlicher. Eine Ohmzahl von 0,8 Ohm oder grösser ist optimal.

Fazit

Wenn man an Asthma leidet und Tabak raucht, ist der vollständige Rauchstopp der beste Schritt für die Gesundheit. Schaffst man diesen Schritt nicht, bietet die E-Zigarette laut aktueller Studienlage eine deutlich schadstoffärmere Alternative, die die Lunge spürbar entlasten kann.

Wichtig: Auf die Signale des Körpers achten, hochwertige E-Liquids wählen und das Setup an die Bedürfnisse anpassen. Ausserdem: Niemals die Asthma-Medikation eigenmächtig anpassen, sondern alle gesundheitliche Veränderungen (auch der Umstieg auf die E-Zigarette) immer mit dem behandelnden Lungenfacharzt oder Allergologen absprechen!

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann das Dampfen einen Asthmaanfall auslösen?

Bei extrem empfindlichen Bronchien kann jeder physikalische Reiz (sogar kalte Winterluft oder dichter Wasserdampf) kurzfristigen Hustenreiz auslösen. E-Zigaretten enthalten jedoch keine Verbrennungsstoffe, die typischerweise schwere entzündliche Asthmaanfälle auslösen.

Welches E-Liquid ist bei empfindlicher Lunge am besten?

Empfehlenswert sind Liquids mit höherem VG-Anteil (z.B. 70% VG / 30% PG) sowie sanfte, natürliche Aromen. Vermeide übermäßig scharfe oder stark reizende Geschmackssorten. Ausserdem sollte man dieAllergenhinweise des Liquids beachten!

Ist nikotinfreies Dampfen für Asthmatiker besser?

Nikotin wirkt leicht gefäßverengend und kann einen leichten Reiz auf die Atemwege ausüben. Nikotinfreie Liquids sind daher noch sanfter zur Lunge. Für den erfolgreichen Umstieg vom Rauchen solltest du die Nikotinstärke jedoch schrittweise und ohne Stress reduzieren.

Was sollte ein Asthmatiker beim Umstieg auf das Vapen beachten?

1. Rücksprache mit dem behandelnden Arzt
2. Allergenhinweis des Liquids überprüfen
3. Im Fachgeschäft beraten lassen

Quellen:

Die detaillierten Ergebnisse kannst man direkt in den Publikationen nachlesen:

  1. Smoking and asthma: dangerous liaisons
  2. E-cigarettes are less harmful than smoking
  3. E-cigarettes unlikely to raise significant health concerns in airways disease
  4. Persisting long term benefits of smoking abstinence and reduction in asthmatic smokers who have switched to electronic cigarettes

Bildnachweis: pixabay.de Mohamed_hassan